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Linda's Therapiebericht

Meine Entscheidung, etwas an meinem Körper und meinem Leben zu verändern, begann bereits im Herbst 2024. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich immer deutlicher, dass ich mich in meinem eigenen Körper nicht mehr wohlfühlte. Ich war unfit, schnell erschöpft und schon bei kleinsten Anstrengungen kurzatmig. Besonders belastend war für mich, dass ich im Alltag meinem eigenen Sohn kaum noch hinterherkam. Das Gefühl, körperlich nicht mehr mithalten zu können, traf mich sehr hart.

Ich begann, mich immer mehr zu verstecken – nicht nur emotional, sondern auch äußerlich. Weite Kleidung wurde zu meinem Schutz, um die vielen Kilos zu kaschieren. Meine Beine fühlten sich schwer und geschwollen an, und jede Bewegung wurde zunehmend anstrengender. Umso frustrierender war es für mich, da ich eigentlich sportlich aktiv bin und Handball spiele. Dieser Gegensatz machte mir besonders zu schaffen.

Wie alles begann

Bevor ich die Therapie im Adipositas-Zentrum begann, habe ich viele verschiedene Diäten und Programme ausprobiert. Darunter waren bekannte Konzepte wie Weight Watchers, Intervallfasten, SlimFast und die Restart-Kur von Fitline, aber auch Programme wie Oviva Direkt, Yazio, Almased, Formoline L112, LifePlus Kur und die Schlüssener-Diät. Zusätzlich habe ich verschiedene Methoden wie Orlistat-Kapseln, Kieselerde oder die Apfelessig-Diät getestet. Trotz all dieser Versuche waren die Erfolge meist nur kurzfristig, und das Gewicht kehrte schnell wieder zurück. Jede Methode bot neue Ansätze, aber keine konnte mir langfristig helfen, eine nachhaltige Veränderung in meinem Leben zu erreichen.

Beim ersten Termin im Adipositaszentrum Bochum im Oktober 2024 wurde mir die Situation noch einmal sehr bewusst. Ich war motiviert, aber gleichzeitig auch überfordert – vor allem mit dem Ausfüllen des Prä-Therapie-Bogens. Es fiel mir schwer, mich so intensiv mit mir selbst, meinem Körper und meiner Geschichte auseinanderzusetzen. Trotzdem war mir in diesem Moment klar: Es muss sich etwas ändern.

Aus medizinischer Sicht brachte ich bereits einige Vorerkrankungen mit. Während meiner Schwangerschaft entwickelte ich einen Gestationsdiabetes, der sich danach zu einem Prädiabetes entwickelte. Zusätzlich wurden bei mir ein Lipödem sowie eine Lipohypertrophie diagnostiziert. Mein BMI lag zu diesem Zeitpunkt bei über 40 und damit im Bereich einer Adipositas Grad III. Mir wurde bewusst, dass es nicht nur um mein äußeres Erscheinungsbild ging, sondern vor allem um meine Gesundheit.  
Der offizielle Beginn meiner Therapie im Adipositas Zentrum Bochum am 04. Februar 2025 markiert für mich einen wichtigen Wendepunkt. Es ist der Schritt aus einem Zustand von Überforderung, Scham und körperlicher Einschränkung hin zu mehr Selbstfürsorge, Verantwortung und Hoffnung auf ein gesünderes Leben.

Das erste Treffen innerhalb der Therapie war für mich etwas ganz Besonderes – und gleichzeitig auch überwältigend. Alles war neu: neue Gesichter, neue Abläufe, eine völlig neue Situation. Wir waren etwa 15 Teilnehmer (Gruppe 347), die alle ihre eigene Geschichte mitbrachten, aber doch ein ähnliches Ziel hatten. Ich erinnere mich daran, wie viele Fragen in meinem Kopf waren – Unsicherheit, Neugier, aber auch Hoffnung.

Der genaue Ablauf der Therapie und die Inhalte wurden uns persönlich von der Leitung, Herrn Dipl.-Psych. Uwe Machleit, erklärt. Seine ruhige und klare Art hat mir in diesem Moment ein Stück Sicherheit gegeben. Dennoch blieb das Gefühl: Jetzt beginnt etwas, das mein Leben verändern wird.

Die ersten 12 Wochen bestanden aus der Fastenphase. Dafür erhielten wir speziell für das Programm entwickelte Ernährung – die sogenannten „Tüten“, wie wir sie untereinander nannten. Diese gab es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, was es zumindest ein wenig abwechslungsreicher machte. Trotzdem konnte sich von uns zu diesem Zeitpunkt niemand wirklich vorstellen, was es bedeutet, ab dem nächsten Tag komplett auf feste Nahrung zu verzichten.

Von einem Tag auf den anderen sollten wir unsere gesamte Ernährung umstellen. Fünf dieser Portionen durften wir täglich zu uns nehmen – und ansonsten nur trinken. Nur trinken. Kein Kauen, kein „richtiges“ Essen mehr. Allein dieser Gedanke fühlte sich zunächst unrealistisch und beängstigend an.

Ich weiß noch genau, wie ich an diesem Punkt dachte: Wie soll das funktionieren? Halte ich das durch? Was macht das mit mir – körperlich, aber vor allem auch im Kopf?  
Und trotzdem war da dieser innere Antrieb, der stärker war als die Angst. Ich wusste, warum ich hier war. Und auch wenn der Weg unvorstellbar wirkte, war ich bereit, ihn zu gehen.

In dieser Fastenphase – die sich gerade am Anfang unglaublich schwer anfühlte – hieß es vor allem: durchhalten. Die ersten Tage waren eine echte Herausforderung, nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Der Verzicht auf feste Nahrung, das ständige Denken ans Essen und die Umstellung im Alltag verlangten mir viel ab. Doch mit der Zeit passierte etwas Entscheidendes: Mein Körper begann sich zu verändern – und ich auch.

Ich fand überraschend gut in die klare Struktur hinein. Fünf Shakes am Tag, etwa alle drei Stunden, dazu viel trinken und mehr Bewegung – ein fester Rahmen, der mir Halt gab. Es war nicht immer leicht, aber es war klar. Und genau diese Klarheit hat mir geholfen, dranzubleiben.

Eine feste Vorgabe von Herrn Machleit war es, sich mindestens einmal pro Woche zu bewegen – gehen oder joggen. Etwas, das ich anfangs eher als Pflicht gesehen habe. Und ehrlich gesagt: Auch heute mache ich es nicht unbedingt gerne. Aber es ist zur Routine geworden. Mittlerweile gehe ich sogar zweimal pro Woche joggen. Es gehört einfach dazu. Es hält mich fit, gibt mir Energie und zeigt mir jedes Mal aufs Neue, dass ich es kann. Man muss es nicht lieben – man muss es einfach tun. Dranbleiben ist hier wirklich das A und O.

Die Veränderungen ließen nicht lange auf sich warten. In den ersten drei Monaten, bis Ende April 2025, habe ich knapp 25 Kilogramm verloren. Eine Zahl, die sich für mich lange unrealistisch angefühlt hätte – und plötzlich Realität war.

Besonders beeindruckend waren für mich die körperlichen Veränderungen. Trotz meiner Ödeme verlor ich an den Oberschenkeln rund 25 Zentimeter Umfang, an den Unterschenkeln etwa 13 Zentimeter. Meine Taille verringerte sich um knapp 13 Zentimeter, an Hüfte und Gesäß waren es etwa 17 Zentimeter weniger und selbst mein Brustumfang reduzierte sich um 13 Zentimeter.

Diese Zahlen sind das eine – aber das Gefühl dazu ist etwas ganz anderes. Mein Körper wurde leichter, beweglicher, „freier“. Dinge, die vorher anstrengend oder kaum möglich waren, fielen mir Schritt für Schritt leichter. Und mit jeder Veränderung wuchs nicht nur meine körperliche Stärke, sondern auch mein Vertrauen in mich selbst.

Die Stabilisierungsphase - dranbleiben lohnt sich!

Nach der Fastenzeit begann die zweite Phase der Therapie – die Stabilisierungsphase. Für mich fühlte sich das wie ein neuer Abschnitt an, fast so, als würde ich wieder neu anfangen. Die „Tüten“ wurden nach und nach ausgeschlichen, und plötzlich kamen Kalorien ins Spiel. Etwas, das vorher keine große Rolle mehr gespielt hatte, wurde nun wieder wichtig und musste bewusst gesteuert werden.

Die Shakes wurden schrittweise durch feste Nahrung ersetzt. Etwa 200 kcal pro Tüte durften wir nach und nach durch echte Mahlzeiten austauschen. Was sich im ersten Moment vielleicht einfach anhört, war für mich eine echte Herausforderung. Viele Fragen tauchten auf: Was darf ich essen? Wie viel ist richtig? Welche Tüte ersetze ich zuerst? Und mache ich es überhaupt „richtig“?

Es war ein ständiges Lernen, ein Ausprobieren – und manchmal auch ein Zweifeln. Doch ich war damit nicht allein.

Woche für Woche stand uns ein ganzes Team zur Seite, das uns durch diese Phase begleitet hat: die Psychologinnen Janet Karolczyk und später Sarah Spierling, der Fitnesscoach Juan, die Ernährungsberaterin Nilsu Dursun, die Ärztin Frau Dr. Annette Chen-Stute sowie Herr Machleit und seine Tochter Mareike Machleit. Und ganz besonders in Erinnerung bleiben mir auch die Schwestern – vor allem Frau Liebetanz –, die uns jeden Mittwoch gewogen, vermessen und manchmal sogar fotografiert haben. Diese Termine waren nicht immer leicht, aber sie waren wichtig. Sie haben mir geholfen, dranzubleiben und mich meinen Fortschritten – aber auch meinen Schwankungen – zu stellen.

In dieser Phase habe ich unglaublich viel gelernt. Über Ernährung, über Verhaltensweisen, über Gewohnheiten – aber vor allem über mich selbst. Ich habe mich mit meinem „inneren Schweinehund“ auseinandergesetzt, mit Mustern, die mich lange begleitet haben. Es war nicht immer einfach. Oft sogar ziemlich schwer.

Auch die Abnahme verlief nicht mehr so „linear“ wie in der Fastenphase. Insgesamt habe ich in dieser Zeit noch einmal etwa 10 Kilogramm verloren. Doch zwischendurch gab es immer wieder Momente, in denen ich 1–2 Kilo zunahm. Es war ein Auf und Ab – nicht nur auf der Waage, sondern auch emotional. Zweifel, Frust, aber auch Stolz und Motivation wechselten sich ab.

Körperlich veränderte sich weiterhin viel, wenn auch langsamer. An den Ober- und Unterschenkeln verlor ich nochmals etwa 2–5 Zentimeter, wobei Wassereinlagerungen und die beginnende Sommerzeit deutliche Schwankungen mit sich brachten. Auch die Maße an der Taille reduzierten sich um weitere 7 Zentimeter, an der Hüfte um etwa 10 Zentimeter und an der Brust um weitere 4 Zentimeter. Doch auch hier merkte ich, wie stark diese Werte tages- und wochenabhängig sein konnten.

Diese Phase hat mir gezeigt, dass es nicht nur um Zahlen geht – weder auf der Waage noch beim Maßband. Es geht um Verständnis, Geduld und den Umgang mit mir selbst. Und darum, auch in schwierigen Momenten nicht aufzugeben.

Abschluss und Neuanfang zugleich?!

Kurz vor dem Winter begann für unsere Gruppe die letzte Phase der Therapie – und damit wurde uns allen langsam bewusst, dass sich dieses besondere Jahr dem Ende zuneigt. Ein Jahr voller Veränderungen, Herausforderungen und Entwicklung. Und gleichzeitig kamen neue Gedanken und auch Ängste auf: Wie geht es weiter ohne meine Gruppe? Schaffe ich das alleine? Was passiert, wenn ich wieder in alte Muster zurückfalle?

Denn genau das habe ich in diesem Jahr gelernt: Alte Gewohnheiten verschwinden nicht einfach. Sie sind noch da – leiser vielleicht, aber jederzeit bereit, sich wieder in den Alltag einzuschleichen. Und manchmal braucht es nicht viel, damit sie wieder Raum einnehmen. Diese Erkenntnis war nicht immer leicht, aber sie war wichtig.

Ein fast ganzes Jahr lag nun fast hinter uns – mit Höhen und Tiefen in jeder Hinsicht. Körperlich, emotional, mental. Dieses Jahr hat mich geprägt. Menschen, die am Anfang noch völlig fremd für mich waren, wurden zu Wegbegleitern, zu Vertrauten – und teilweise zu echten Freunden. Uns hat mehr verbunden als nur das Ziel abzunehmen. Es war das gegenseitige Verständnis, das Zuhören, das gemeinsame Kämpfen und Durchhalten.

Oft hatte ich das Gefühl, dass mich diese Menschen besser verstehen als viele aus meinem direkten Umfeld. Nicht, weil Familie oder Freunde nicht da sind – sondern weil man manche Dinge einfach nur nachvollziehen kann, wenn man sie selbst erlebt. Dieses gemeinsame Erleben hat uns zusammengeschweißt.

In der letzten Phase war es gewichtstechnisch weiterhin ein Auf und Ab – allerdings in einem deutlich stabileren Rahmen. Schwankungen von plus/minus 1 bis 3 Kilogramm gehörten dazu und waren auch ein Stück weit normal geworden. Auch die Umfänge blieben in dieser Zeit weitestgehend konstant, ähnlich wie zu Beginn der letzten Phase.  
Rückblickend war genau das vielleicht einer der wichtigsten Schritte: nicht mehr nur der Fokus auf das Verlieren, sondern auf das Halten. Auf Stabilität. Auf ein Leben, das sich nicht mehr nur um Verzicht dreht, sondern um Balance.

Und auch wenn die Therapie sich dem Ende nähert, ist mir eines ganz klar geworden: Das hier war kein Abschluss – sondern ein Anfang.

Mein Fazit

Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, sehe ich nicht nur Zahlen auf der Waage oder Zentimeter, die ich verloren habe. Ich sehe einen Weg – meinen Weg. Einen Weg, der mit Unsicherheit, Überforderung und auch ein Stück weit Verzweiflung begonnen hat und sich Schritt für Schritt zu etwas entwickelt hat, das ich heute als Stärke bezeichnen kann.

Ich habe nicht nur Gewicht verloren – ich habe ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen. Ich bin beweglicher geworden, belastbarer, wieder näher an meinem Alltag und vor allem näher an mir selbst. Dinge, die früher selbstverständlich waren und dann verloren gegangen sind, fühlen sich heute wieder greifbar an.
Dieses Jahr war nicht leicht. Es war geprägt von Verzicht, Disziplin, Zweifeln und auch Rückschlägen. Es gab Momente, in denen ich kämpfen musste – mit meinem Körper, aber vor allem mit meinem Kopf. Alte Muster, Gewohnheiten und Gedanken haben mich immer wieder eingeholt. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Nicht perfekt – aber bewusst.

Das vielleicht Wichtigste, was ich mitnehme, ist die Erkenntnis, dass Veränderung Zeit braucht. Dass es kein „schnell und einfach“ gibt. Und dass Dranbleiben wichtiger ist als Perfektion.

Ich habe gelernt, Struktur anzunehmen, meinen Körper besser zu verstehen und ihm zuzuhören. Ich habe gelernt, dass Bewegung auch dann wichtig ist, wenn sie mir keinen Spaß macht – weil sie mir gut tut. Und ich habe gelernt, dass Ernährung nicht Verzicht bedeutet, sondern Verantwortung.

Ein ganz besonderer Teil dieser Reise waren die Menschen, die mich begleitet haben. Aus Fremden wurden Weggefährten, aus Mitstreitern wurden Freunde. Dieses Verständnis, dieses gemeinsame Erleben – das kann man kaum in Worte fassen. Es hat mich getragen, motiviert und gestärkt.

(Einen besonderen Dank hier an meine Gruppe 347 - Nicole T., Lani T., Nicole W., Inke W., Raffaela W., Harry B., Gabi C., Bettina D., Andrea H., Anja und Jörg G., und Sussane K.)

Heute stehe ich an einem Punkt, an dem ich weiß: Der Weg ist noch nicht zu Ende. Aber ich habe die Werkzeuge, das Wissen und vor allem die Erfahrung, um weiterzugehen. Auch alleine. (mit fester Unterstützung meines Mannes!)

Diese Therapie war kein Endpunkt. Sie war der Anfang von etwas Neuem – einem bewussteren, gesünderen und stärkeren Leben.

Linda Kostroch Gruppe 347