Bevor ich die Therapie im Adipositas-Zentrum begann, habe ich viele verschiedene Diäten und Programme ausprobiert. Darunter waren bekannte Konzepte wie Weight Watchers, Intervallfasten, SlimFast und die Restart-Kur von Fitline, aber auch Programme wie Oviva Direkt, Yazio, Almased, Formoline L112, LifePlus Kur und die Schlüssener-Diät. Zusätzlich habe ich verschiedene Methoden wie Orlistat-Kapseln, Kieselerde oder die Apfelessig-Diät getestet. Trotz all dieser Versuche waren die Erfolge meist nur kurzfristig, und das Gewicht kehrte schnell wieder zurück. Jede Methode bot neue Ansätze, aber keine konnte mir langfristig helfen, eine nachhaltige Veränderung in meinem Leben zu erreichen.
Beim ersten Termin im Adipositaszentrum Bochum im Oktober 2024 wurde mir die Situation noch einmal sehr bewusst. Ich war motiviert, aber gleichzeitig auch überfordert – vor allem mit dem Ausfüllen des Prä-Therapie-Bogens. Es fiel mir schwer, mich so intensiv mit mir selbst, meinem Körper und meiner Geschichte auseinanderzusetzen. Trotzdem war mir in diesem Moment klar: Es muss sich etwas ändern.
Aus medizinischer Sicht brachte ich bereits einige Vorerkrankungen mit. Während meiner Schwangerschaft entwickelte ich einen Gestationsdiabetes, der sich danach zu einem Prädiabetes entwickelte. Zusätzlich wurden bei mir ein Lipödem sowie eine Lipohypertrophie diagnostiziert. Mein BMI lag zu diesem Zeitpunkt bei über 40 und damit im Bereich einer Adipositas Grad III. Mir wurde bewusst, dass es nicht nur um mein äußeres Erscheinungsbild ging, sondern vor allem um meine Gesundheit.
Der offizielle Beginn meiner Therapie im Adipositas Zentrum Bochum am 04. Februar 2025 markiert für mich einen wichtigen Wendepunkt. Es ist der Schritt aus einem Zustand von Überforderung, Scham und körperlicher Einschränkung hin zu mehr Selbstfürsorge, Verantwortung und Hoffnung auf ein gesünderes Leben.
Das erste Treffen innerhalb der Therapie war für mich etwas ganz Besonderes – und gleichzeitig auch überwältigend. Alles war neu: neue Gesichter, neue Abläufe, eine völlig neue Situation. Wir waren etwa 15 Teilnehmer (Gruppe 347), die alle ihre eigene Geschichte mitbrachten, aber doch ein ähnliches Ziel hatten. Ich erinnere mich daran, wie viele Fragen in meinem Kopf waren – Unsicherheit, Neugier, aber auch Hoffnung.
Der genaue Ablauf der Therapie und die Inhalte wurden uns persönlich von der Leitung, Herrn Dipl.-Psych. Uwe Machleit, erklärt. Seine ruhige und klare Art hat mir in diesem Moment ein Stück Sicherheit gegeben. Dennoch blieb das Gefühl: Jetzt beginnt etwas, das mein Leben verändern wird.
Die ersten 12 Wochen bestanden aus der Fastenphase. Dafür erhielten wir speziell für das Programm entwickelte Ernährung – die sogenannten „Tüten“, wie wir sie untereinander nannten. Diese gab es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, was es zumindest ein wenig abwechslungsreicher machte. Trotzdem konnte sich von uns zu diesem Zeitpunkt niemand wirklich vorstellen, was es bedeutet, ab dem nächsten Tag komplett auf feste Nahrung zu verzichten.
Von einem Tag auf den anderen sollten wir unsere gesamte Ernährung umstellen. Fünf dieser Portionen durften wir täglich zu uns nehmen – und ansonsten nur trinken. Nur trinken. Kein Kauen, kein „richtiges“ Essen mehr. Allein dieser Gedanke fühlte sich zunächst unrealistisch und beängstigend an.
Ich weiß noch genau, wie ich an diesem Punkt dachte: Wie soll das funktionieren? Halte ich das durch? Was macht das mit mir – körperlich, aber vor allem auch im Kopf?
Und trotzdem war da dieser innere Antrieb, der stärker war als die Angst. Ich wusste, warum ich hier war. Und auch wenn der Weg unvorstellbar wirkte, war ich bereit, ihn zu gehen.
In dieser Fastenphase – die sich gerade am Anfang unglaublich schwer anfühlte – hieß es vor allem: durchhalten. Die ersten Tage waren eine echte Herausforderung, nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Der Verzicht auf feste Nahrung, das ständige Denken ans Essen und die Umstellung im Alltag verlangten mir viel ab. Doch mit der Zeit passierte etwas Entscheidendes: Mein Körper begann sich zu verändern – und ich auch.
Ich fand überraschend gut in die klare Struktur hinein. Fünf Shakes am Tag, etwa alle drei Stunden, dazu viel trinken und mehr Bewegung – ein fester Rahmen, der mir Halt gab. Es war nicht immer leicht, aber es war klar. Und genau diese Klarheit hat mir geholfen, dranzubleiben.
Eine feste Vorgabe von Herrn Machleit war es, sich mindestens einmal pro Woche zu bewegen – gehen oder joggen. Etwas, das ich anfangs eher als Pflicht gesehen habe. Und ehrlich gesagt: Auch heute mache ich es nicht unbedingt gerne. Aber es ist zur Routine geworden. Mittlerweile gehe ich sogar zweimal pro Woche joggen. Es gehört einfach dazu. Es hält mich fit, gibt mir Energie und zeigt mir jedes Mal aufs Neue, dass ich es kann. Man muss es nicht lieben – man muss es einfach tun. Dranbleiben ist hier wirklich das A und O.
Die Veränderungen ließen nicht lange auf sich warten. In den ersten drei Monaten, bis Ende April 2025, habe ich knapp 25 Kilogramm verloren. Eine Zahl, die sich für mich lange unrealistisch angefühlt hätte – und plötzlich Realität war.
Besonders beeindruckend waren für mich die körperlichen Veränderungen. Trotz meiner Ödeme verlor ich an den Oberschenkeln rund 25 Zentimeter Umfang, an den Unterschenkeln etwa 13 Zentimeter. Meine Taille verringerte sich um knapp 13 Zentimeter, an Hüfte und Gesäß waren es etwa 17 Zentimeter weniger und selbst mein Brustumfang reduzierte sich um 13 Zentimeter.
Diese Zahlen sind das eine – aber das Gefühl dazu ist etwas ganz anderes. Mein Körper wurde leichter, beweglicher, „freier“. Dinge, die vorher anstrengend oder kaum möglich waren, fielen mir Schritt für Schritt leichter. Und mit jeder Veränderung wuchs nicht nur meine körperliche Stärke, sondern auch mein Vertrauen in mich selbst.